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Dr. h. c. Josefine Kramer

(1906– 1994) Wissenschaftlerin, Kinder- und Jugendpsychologin

(* 1906 in Tettnang † 1994 in Fribourg)
Wissenschaftlerin, Kinder- und Jugendpsychologin

Am 24. Dezember 1906 wurde Josefine Kramer als ältestes von sieben Kindern der Familie Kramer im Tettnanger Stadtteil Ried geboren. Ihr Vater war Maler und betrieb eine kleine Landwirtschaft. Nach dem Volksschulabschluss - der Besuch einer höheren Schule blieb ihr wegen der bescheidenen Verhältnisse des Elterhauses versagt - nahm sie Anfang der 1920er Jahre eine Stelle als Hausmädchen in Zürich an. Die Arbeitgeberin in dem wohlhabenden Haus erkannte Josefines Begabung, machte sie zu ihrer Gesellschafterin, nahm sie mit auf Reisen und setzte alles daran, dem jungen Mädchen einen möglichst großen geistigen Gesichtskreis zu eröffnen.

Auf ihrem weiteren Berufsweg widmete sich Josefine Kramer zunächst der Krankenpflege, bei der sie mit dem damals noch wenig beachteten Fach der Sozialpädagogik in Berührung kam. Mit 22 Jahren begann sie eine Ausbildung am Sozialpädagogischen Institut in Solothurn. Dies war der erste Schritt zu einer ungewöhnlichen wissenschaftlichen Karriere.

Ohne die erforderlichen Schulabschlüsse studierte sie an der Universität Fribourg, wo sie später selbst 25 Jahren lang am Heilpädagogischen Institut lehrte. Durch ihre Arbeit und Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen, deren Entwicklung auf die eine oder andere Weise gehindert war, drang sie immer tiefer in die Erforschung der Ursachen ein. Diese Arbeit mündete in zahlreichen Veröffentlichungen. Ihre Büchern zählen nach wie vor zu den Standardwerken auf dem Gebiet der Entwicklungspsychologie. In ihrem ersten, 1939 erschienenen Buch befasste sich Josefine Kramer mit dem „Sigmatismus", der Störung bei der Bildung von S-Lauten. Ihr bekanntestes Werk „Intelligenztest" erschien 1954, das Buch über die „Linkshändigkeit" kam 1961 heraus. Bei ihrer Arbeit und den Veröffentlichungen kam es ihr darauf an, die vordergründigen Erscheinungen durch Verständnis für die Ursachen zu überwinden oder - wie im Fall der Linkshändigkeit - vom Makel einer Fehlleistung zu befreien.

Unter den vielen Ehrungen, die Josefine Kramer zuteil wurden, nimmt die Verleihung des Ehrendoktorats der Philosophischen Fakultät in Fribourg 1963 die wichtigste Stelle ein. Ein klassisches Instrument zur vergleichenden Feststellungen von Begabungen bei Kindern und Jugendlichen ist noch heute der „Kramer-Test", benannt nach der gebürtigen Tettnangerin, der bisher einzigen, die es zu derart weltweitem wissenschaftlichen Ansehen gebracht hat.

Ihre positive Einstellung zum Leben kam auch durch ihre Freude an modischer Kleidung, an leuchtenden Farben, an Musik und Geselligkeit zum Ausdruck. Und bei allem Ruhm als Schweizer Wissenschaftlerin hing sie bis zuletzt an der Tettnanger Heimat, wo sie immer wieder Erholung und Entspannung suchte. Sie starb nach langer Krankheit im 88. Lebensjahr am 7. Dezember 1994.